Über eine Website, die mich nicht mehr loslässt.
Es passiert mir manchmal im Internet, was mir auch im Wald passiert: Ich bin eigentlich auf dem Weg woanders hin, und dann bleibe ich plötzlich stehen. So war das mit nasebaer.de.
Ich weiß nicht mehr, wie ich dort gelandet bin. Aber ich saß dann eine gute Stunde vor dem Bildschirm und habe gelesen und geschaut und gelacht und nachgedacht — in dieser Reihenfolge, manchmal auch gleichzeitig.
Der Nasebaer ist eine Figur. Eine Kunstfigur. Pinkfarben, zweidimensional, für 99,9999% der Menschen auf diesem Planeten vollständig unsichtbar. Er schreibt Haiku, kommentiert die Tagespolitik, war schon am Fuji-san, tanzt nachts im Schwibbogen, und lädt gelegentlich die älteste Yakuza-Familie Hokkaidos zu einem Polaroid-Vortrag. Er riecht scharf, denkt quer und schläft vermutlich nie.
Was das mit Kunst zu tun hat? Alles.
Ich male auf altem Holz, weil das alte Holz schon Würde mitbringt, auf der das Leichte erst richtig leuchtet. Der Nasebaer existiert im Internet, weil das Internet ein Ort ist, an dem Unsichtbares sichtbar werden kann — wenn jemand konsequent genug darauf besteht, dass es da ist. Das ist eigentlich dieselbe Haltung. Nur das Material ist ein anderes.
Was mich wirklich erwischt hat: Dieser Nasebaer wird seit Jahren dokumentiert, beobachtet, in Bild und Text festgehalten — ohne dass er sich darum schert, ob ihn jemand findet. Es gibt keine Erklärungen für Einsteiger, keine vereinfachten Versionen. Wer hinschaut, sieht etwas. Wer nicht hinschaut, sieht nichts. So ist das mit echter Kunst manchmal.
Ich habe noch keine Figur auf Holz gemalt, die so aussieht wie ein Nasebaer. Aber ich schließe es nicht aus. Schaut selbst: nasebaer.de
— Bärbel


