Über Geduld — meine und die des Holzes.

In meinem Atelier gibt es eine Ecke, die ich innerlich die Wartezone nenne. Dort liegen Stücke, die ich gefunden habe und die ich noch nicht angerührt habe. Manche warten seit Wochen. Eines — eine breite Kiefernscheibe mit einem langen Riss, der sie fast halbiert — liegt schon seit dem Herbst dort. Ich gehe jeden Tag daran vorbei. Manchmal bleibe ich kurz davor stehen. Ich schaue sie an, sie schaut mich an. Noch nicht.

Das klingt vielleicht seltsam. Aber ich habe gelernt, diesem Gefühl zu vertrauen. Wenn ich ein Bild anfange, bevor es soweit ist — bevor ich wirklich weiß, was darin steckt — merke ich das. Es zieht sich. Es wird angestrengt. Und das Ergebnis sieht dann auch so aus. Also warte ich.

Die Kiefernscheibe hat diesen Riss, der wie ein Blitz von oben nach unten fährt. Oder wie ein Fluss. Oder wie eine Straße, auf der jemand geht. Irgendwann werde ich wissen, was es ist — und dann werde ich die Farben herausholen und anfangen, und es wird sich anfühlen wie das Selbstverständlichste der Welt.

Das ist das Schöne an dieser Arbeit: Das Holz hat Zeit gehabt. Ich darf mir auch welche nehmen.

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