Über das Unmögliche, das dann doch geht.

Die häufigste Frage, die mir Menschen in Ausstellungen stellen: „Aber wie hält die Farbe auf dem alten Holz?“ Die zweithäufigste: „Warum ist das so bunt?“

Auf die erste Frage gibt es eine handwerkliche Antwort, die ich gerne erkläre. Auf die zweite Frage gibt es nur eine ehrliche: Weil ich es so will.
Es könnte gedämpft sein. Erdig, zurückhaltend, dem Holz angepasst. Das würde auch funktionieren — ästhetisch, handwerklich, als Konzept. Aber das bin ich nicht.

Wenn ich auf einem silbergrauen Stück Rinde ein tiefes Türkisblau setze, dann leuchtet das. Es schreit fast. Und gleichzeitig beruhigt es sich wieder — weil das Holz darunter so alt und so geerdet ist, dass es jede Farbe trägt, ohne davon erschlagen zu werden. Das ist das Geheimnis. Nicht die Farbe allein. Nicht das Holz allein. Sondern der Moment, in dem beides zusammen mehr ergibt als die Summe seiner Teile.

Letzte Woche habe ich eine große Stammscheibe fertiggestellt — fast sechzig Zentimeter Durchmesser, die Maserung geht von innen nach außen wie Wellen auf einem See. Darauf tanzt jetzt eine kleine Figur in Orange und Goldgelb. Die Jahresringe laufen um sie herum wie eine Bühne, die das Holz ihr schon lange bereitgehalten hat.

Ich glaube, die Scheibe wusste das schon, bevor ich sie gefunden habe.

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