Warum ich nie mit leeren Händen nach Hause komme.

Ich gehe anders durch den Wald als andere Menschen.

Das sage ich nicht mit Stolz — es ist manchmal auch unpraktisch. Wer mit mir spazieren geht, muss damit rechnen, dass ich plötzlich stehen bleibe, mich irgendwo hinkniere und ein Stück Holz in die Hand nehme, das dort schon seit Jahren liegt. Das Gespräch kann warten. Das Holz nicht immer.

Was ich suche, ist schwer zu beschreiben. Es ist kein bestimmtes Format, keine bestimmte Holzart. Es ist eher ein Gefühl — ob ein Stück etwas in sich trägt, das raus will. Manche Äste haben so eine Krümmung, die schon eine Bewegung ist. Manche Stammscheiben tragen Ringe wie Jahresberichte, in denen ich lese wie in alten Briefen. Manche Borke ist so aufgerissen und zerfurcht, dass ich darauf eigentlich gar nichts mehr malen müsste — und es trotzdem tue.

Gestern war ich wieder oben am Hang hinter Waake. Windig, grau, der Boden noch feucht vom Regen. Ich habe zwei Dinge mitgenommen: ein flaches Buchenstück, das aussieht wie eine Landkarte, und einen kleinen Ast, so dick wie mein Handgelenk, der in einer perfekten Spirale gewachsen ist. Was daraus wird, weiß ich noch nicht.

Aber ich freue mich schon auf den Moment, in dem ich es herausfinde.

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