Über das Gewicht der Zeit und die Leichtigkeit, die trotzdem möglich ist.
Ein Baum, der zwanzig Jahre in einem Waldstück gestanden hat, hat zwanzig Jahre Sommer und Winter gespeichert. Zwanzig Mal die Schwalben gehört. Zwanzig Mal Schnee getragen. Zwanzig Mal im Sturm gezittert und sich gehalten.
Wenn dieser Baum fällt und ich ein Stück von ihm mit nach Hause nehme, nehme ich das alles mit. Das klingt nach Schwere. Ist es aber nicht — oder jedenfalls nicht nur. Es ist auch eine Art Würde, die das Holz in sich trägt. Eine Substanz. Und auf dieser Substanz kann man etwas Leichtes wagen, ohne dass es beliebig wirkt.
Meine Figuren — die kleinen Vögel, die Tiere, die tanzenden Wesen, die in meine Bilder kommen — haben keinen Ernst. Sie hüpfen. Sie schauen schräg. Manchmal haben sie zu große Füße oder zu kleine Ohren, weil das Holz in eine bestimmte Richtung gewachsen ist und ich daran nicht vorbeigemalt habe, sondern mit. Das finde ich ehrlicher als Perfektion.
Auf altem Holz darf man frech sein. Das Holz hält das aus.
Und ich glaube, genau das spüren die Menschen, die vor einem meiner Bilder stehen und plötzlich lächeln, ohne zu wissen warum. Es ist nicht nur die Farbe und nicht nur die Figur. Es ist dieser Widerspruch, der sich aufgelöst hat: Das Alte und das Lebendige, nebeneinander, gleichzeitig, in Frieden.


